Junge Menschen verbessern ihre beruflichen Fähigkeiten dank dualer Berufsbildung im Bereich Sanitär- und Elektro-technik

Vor der Pandemie wuchs das Bruttoinlandprodukt (BIP) Kenias um durchschnittlich 5 % pro Jahr. Der Bausektor gehörte zu den am schnellsten wachsenden Wirtschaftszweigen und wird künftig wohl noch an Bedeutung gewinnen. In Kenia gibt es einen dynamischen Privatsektor und eine wachsende unternehmerische Mittelschicht. Das System der technischen und beruflichen Bildung (TVET) wird derzeit umfassend erneuert, und es findet eine Verlagerung hin zum arbeitsplatzbezogenen Lernen statt. Obwohl vor kurzem ein Rahmen für die Lehrlingsausbildung verabschiedet wurde, sind die Fortschritte nach wie vor gering. Da die Industrie nicht sehr stark in die Entwicklung von Lehrplänen eingebunden ist, sind die Ausbildungszentren nur begrenzt in der Lage, ihr Angebot auf die Bedürfnisse des Marktes abzustimmen. Darüber hinaus fehlt es den Ausbildnern an pädagogischen Kompetenzen und Berufserfahrung, um eine einschlägige Ausbildung zu vermitteln. Daher entsprechen die Absolventinnen und Absolventen nicht den Erwartungen der Arbeitgebenden, und die Unternehmen haben Schwierigkeiten, gut qualifizierte Fachkräfte zu finden. Das Projekt zielt darauf ab, ein duales, von den Arbeitgebern gesteuertes Ausbildungsmodell für die Bauindustrie in Kenia und darüber hinaus einzuführen, angefangen bei sanitärtechnischen Berufen sowie Elektrikern. 
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Nairobi County, Kenya
-1.3106691
36.8250274
Projektdauer
2021 - 2022

Das Projekt

Zusammen mit öffentlichen und privaten Partnern ein Ausbildungsangebot schaffen: Durch öffentlich-private Partnerschaften mit kenianischen und ausgewählten multinationalen Unternehmen wird ein Ausbildungsangebot für Sanitärtechniker und Elektroinstallateurinnen geschaffen. Einerseits wird das Projekt jungen kenianischen Arbeitnehmenden den Zugang zu angemessenen, sicheren Arbeitsplätzen und ein höheres Einkommen ermöglichen. Andererseits werden die Arbeitgebenden von den Leistungen der besser ausgebildeten und produktiven Arbeitnehmenden profitieren.

Das Projekt richtet sich an junge Männer und Frauen über 18 Jahre, die die vierjährige Oberstufe und ein einjähriges Handwerkszeugnis oder eine gleichwertige Ausbildung abgeschlossen haben. Es zielt darauf ab, ihre technischen Fähigkeiten und praktischen Erfahrungen bei der Installation von Elektro- und Sanitärinstallationen zu verbessern. Das Projekt wird sich auch mit ihrer Arbeitseinstellung in Bezug auf Sicherheitsstandards, Zeitmanagement und die effiziente und nachhaltige Nutzung von Materialien und Ressourcen befassen.

Ein Geschäftsszenario für die duale Ausbildung erarbeiten: Das Projekt zielt darauf ab, die Unternehmen dafür zu sensibilisieren, dass sich ein integriertes Lernprogramm, welches schulische Theorie und betrieblich verankerte Ausbildung kombiniert, langfristig auszahlt. Die Entwicklung eines solchen Modells ist mit Risiken verbunden, die ein einzelnes Unternehmen nicht eingehen kann. Daher müssen die Risiken verteilt und teilweise von Dritten getragen werden; hierbei kommt dieses Projekt zum Tragen.

Das Projekt zur dualen Berufsausbildung zielt auf eine systemische Wirkung ab, die über den unmittelbaren Nutzen für das Unternehmen oder den Auszubildenden hinausgeht, um Veränderungen zu bewirken, die vielen Unternehmen und ihren Netzwerken zugute kommen und die im Sektor über die Projektdauer hinaus nachhaltig sind.

Projektpartner

  • Hilti AG
  • Geberit
  • Schneider Electric
  • Führende kenianische Klempner- und Elektrikerunternehmen
  • Behörden in Kenia (NITA, TVETA, CDACC)
  • Kenianische Ausbildungszentren (Don Bosco, Eastlands College of Technology)
  • Berufsverbände (Master Builders’ Association, Federation of Registered Electrical Contractors)

Ziele

Einbindung des Privatsektors: Die langfristige Vision ist ein nationales Berufsbildungssystem in Kenia, das hochqualifizierte junge Fachkräfte hervorbringt, die den Bedürfnissen des Privatsektors entsprechen und in den Arbeitsmarkt integriert werden. Ziel ist es, dass sich der Privatsektor direkt an Qualifizierungsmassnahmen beteiligt, sprich einen Ausbildungsmechanismus vorantreibt, der sowohl vom Privatsektor als auch von der Regierung geschätzt wird, sowie Eigen- und Mitverantwortung für die veränderte Art der Ausbildung junger Menschen übernimmt.

Duale Berufsbildung für qualifizierte Arbeitskräfte: Wenn junge Arbeitnehmende Zugang zu besseren, sicheren Arbeitsplätzen bekommen, können sie ein höheres Einkommen für Tätigkeiten erzielen, die normalerweise von nicht-kenianischen Arbeitskräften ausgeführt werden. Erreicht werden soll dies durch die Einrichtung eines dualen Ausbildungsmodells für junge Arbeitssuchende. Diese Ausbildungsform ist eine kostengünstige, vom Privatsektor getragene Alternative, da sie in den Unternehmen verankert ist. Sie gewährleistet eine enge Verbindung zwischen der praktischen Ausbildung im Betrieb und dem Lernen von Theorie in den Ausbildungszentren. 

Konzeptions- und Umsetzungsphase: Im Zeitraum 2021-22 wird ein duales Ausbildungsmodell entworfen, das an den lokalen Kontext angepasst ist (in zwei vorrangigen Bauberufen: Sanitärtechnik und Elektroinstallation) und es werden Verpflichtungen mit den relevanten Interessengruppen unterzeichnet.

Ab 2022 wird das Ausbildungsprogramm mit privaten Bauunternehmen und Bildungseinrichtungen umgesetzt, und es werden Daten über die Wirksamkeit des neuen Qualifizierungssystems gesammelt. Darüber hinaus wird das Projekt mit den privaten und öffentlichen Akteuren zusammenarbeiten, um eine künftige Übernahme und Anpassungdes Modells in anderen Berufen und Branchen zu ermöglichen. Spätere Phasen werden sich auf den Ausbau, die Ausweitung auf die breite Masse und die Etablierung des Mechanismus im TVET-System konzentrieren.

Erwartete Resultate

  • Vorstellung des Schweizer Modells der dualen Berufsbildung bei den 20 grössten kenianischen Sanitär- und Elektrobetrieben, 2 Ausbildungszentren, 2 Verbänden und den zuständigen staatlichen Stellen (NITA, TVETA)
  • Mit den lokalen Partnern eine gemeinsame Vision für eine duale Berufsbildung entwickeln, die auf ihre Bedürfnisse und den kenianischen Kontext abgestimmt ist, sowie die Elemente des Prototyps definieren.
  • Bis März 2022 sollen die kenianischen Partner eine Absichtserklärung unterzeichnen, in der sie ihr Interesse und ihr Engagement für die Einführung eines dualen Ausbildungsmodells bekunden. Die Planung für die Umsetzung wird abgeschlossen und die Beiträge der multinationalen Partnerunternehmen und der Schweizer Berufsfachschulen werden geklärt.

Finanzierungspartner

Das Projekt ist finanziert von der Hilti Foundation. Dieses Projekt ist Teil des Entwicklungsprogramms von Swisscontact, welches von der DEZA (Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit, Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA) kofinanziert wird.