Vor einem Jahrzehnt war die Berufsbildung in Albanien weitgehend schulbasiert. Praktische Ausbildungsmöglichkeiten waren begrenzt, die Zusammenarbeit mit Unternehmen gering, und das Vertrauen zwischen Schulen und Arbeitgebern war schwach. Die Schülerinnen und Schüler lernten Theorie, doch viele waren beim Eintritt in den Arbeitsmarkt nicht ausreichend auf reale Arbeitsbedingungen vorbereitet.
S4J schloss diese Lücke mit einem schrittweisen, praxisnahen Ansatz. Statt auf umfassende Reformen zu setzen, konzentrierte sich das Projekt auf praktikable Lösungen. Schulen und Unternehmen starteten kleine gemeinsame Initiativen, testeten arbeitsplatzbasiertes Lernen («work-based learning») und passten Ausbildungsprogramme an die Bedürfnisse des tatsächlichen Arbeitsmarkts an. Mit der Zeit zeigten diese Massnahmen Wirkung: Die Pilotprojekte bewiesen, dass engere Kooperation allen Beteiligten zugutekommt.
Laut einer Folgestudie finden innerhalb eines Jahres nach Abschluss 71% der Absolventinnen und Absolventen der S4J-Partnerinstitutionen eine Anstellung oder machen sich selbständig. Mehr als die Hälfte arbeitet in einem Beruf, der ihrer Ausbildung entspricht.
Ein entscheidender Wendepunkt war die zunehmende Einbindung der Privatwirtschaft. Unternehmen entwickelten sich von distanzierten Beobachtern zu aktiven Partnern. Sie öffneten ihre Türen für Lernende, boten Praktika an, stellten Ausrüstung bereit und engagierten Mentorinnen und Mentoren, die praktisches Wissen vermittelten.
Dieser Wandel verlief nicht von heute auf morgen. Viele Unternehmen waren anfangs skeptisch, und die Schulen verfügten über wenig Erfahrung im Aufbau solcher Partnerschaften. Schritt für Schritt wuchs jedoch das Vertrauen. Die Zusammenarbeit entwickelte sich von einzelnen Kooperationen hin zu einer landesweiten Bewegung.
Ein Meilenstein war die Einführung der dualen Berufsbildung im Jahr 2024. In diesem Modell teilen Lernende ihre Zeit zwischen Unterricht und bezahlter Ausbildung in Unternehmen. So sammeln sie bereits während der Ausbildung konkrete Berufserfahrung.
Das duale Modell knüpft an jahrelange Zusammenarbeit an und baut auf den bereits sichtbaren Erfolgen arbeitsplatzbasierten Lernens auf. Die Praxis kam zuerst – die Politik folgte. Bereits im ersten Jahr fand das Modell grosses Interesse bei Lernenden und Betrieben und breitet sich nun landesweit über verschiedene Regionen und Sektoren aus. Für viele junge Menschen bietet es einen motivierenden und klar strukturierten Weg in den Arbeitsmarkt.
Um langfristige Wirkung sicherzustellen, mussten Berufsschulen organisatorisch gestärkt werden. Deshalb wurden Entwicklungsabteilungen (Development Units) eingerichtet, die Partnerschaften betreuen, Ausbildungsprogramme anpassen und auf die Veränderungen des Arbeitsmarkts reagieren.
Diese Einheiten unterstützen Lehrpersonen in ihrer Weiterbildung, begleiten die Aktualisierung der Lehrpläne, bieten Berufsberatung an und begleiten die Absolventinnen und Absolventen in ihrer Berufslaufbahn. Dadurch entwickeln sich Schulen von passiven zu aktiven Akteuren lokaler Kompetenznetzwerke weiter.
2024 offiziell als nationales Reformmodell eingeführt.
Je weiter das Projekt fortschritt, umso besser wurde die Zusammenarbeit mit nationalen Institutionen, um die erfolgreichen Ansätze in politische Strategien und Regulierungen zu überführen. Bewährte Praktiken aus der Umsetzung vor Ort fanden ihren Weg in die nationale Berufsbildungsreform.
Diese Annäherung von Praxis und Politik stärkte die gemeinsame Verantwortung und schuf institutionelle Stabilität. Heute arbeiten Schulen, Unternehmen und staatliche Stellen koordiniert daran, Kompetenzlücken zu schliessen und eine zukunftsfähige Arbeitswelt zu gestalten.
Der Wandel ist noch nicht abgeschlossen, doch die Fortschritte sind deutlich sichtbar. Die Berufsbildung gewinnt an Glaubwürdigkeit, junge Menschen haben bessere Jobchancen und Arbeitgeber vertrauen zunehmend den Fähigkeiten der Absolventinnen und Absolventen. Durch die Verknüpfung von Bildung und realer Arbeit baut Albanien eine widerstandsfähigere, zukunftsorientierte Arbeitskraft auf.