Albanien: Ausbildung, die Chancen schafft

Auf dem Weg zur europäischen Integration und inmitten des wirtschaftlichen Wandels steht Albanien vor einer zentralen Aufgabe: junge Menschen auf die Anforderungen des heutigen und zukünftigen Arbeitsmarkts vorzubereiten. Über Jahre schlossen viele Jugendliche die Schule ohne jene Kompetenzen ab, die Unternehmen dringend suchten. Gleichzeitig fanden Betriebe kaum genügend qualifizierte Fachkräfte. Mit dem 2015 gestarteten und noch bis 2027 laufende Projekt Skills for Jobs (S4J) reagierte die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) gemeinsam mit Swisscontact auf diese Situation. Das Projekt verknüpfte Bildung und Arbeitswelt enger miteinander und stärkte das Vertrauen in die Berufsbildung als realen Weg zu neuen Chancen. 

Vor einem Jahrzehnt war die Berufsbildung in Albanien weitgehend schulbasiert. Praktische Ausbildungsmöglichkeiten waren begrenzt, die Zusammenarbeit mit Unternehmen gering, und das Vertrauen zwischen Schulen und Arbeitgebern war schwach. Die Schülerinnen und Schüler lernten Theorie, doch viele waren beim Eintritt in den Arbeitsmarkt nicht ausreichend auf reale Arbeitsbedingungen vorbereitet. 

Vom Klassenzimmer ins echte Berufsleben

S4J schloss diese Lücke mit einem schrittweisen, praxisnahen Ansatz. Statt auf umfassende Reformen zu setzen, konzentrierte sich das Projekt auf praktikable Lösungen. Schulen und Unternehmen starteten kleine gemeinsame Initiativen, testeten arbeitsplatzbasiertes Lernen («work-based learning») und passten Ausbildungsprogramme an die Bedürfnisse des tatsächlichen Arbeitsmarkts an. Mit der Zeit zeigten diese Massnahmen Wirkung: Die Pilotprojekte bewiesen, dass engere Kooperation allen Beteiligten zugutekommt. 

Laut einer Folgestudie finden innerhalb eines Jahres nach Abschluss 71% der Absolventinnen und Absolventen der S4J-Partnerinstitutionen eine Anstellung oder machen sich selbständig. Mehr als die Hälfte arbeitet in einem Beruf, der ihrer Ausbildung entspricht. 

Kedri Dyrmishi, ein Schüler der Technischen Wirtschaftsschule Tirana.

Unternehmen im Zentrum der Kompetenzentwicklung

Ein entscheidender Wendepunkt war die zunehmende Einbindung der Privatwirtschaft. Unternehmen entwickelten sich von distanzierten Beobachtern zu aktiven Partnern. Sie öffneten ihre Türen für Lernende, boten Praktika an, stellten Ausrüstung bereit und engagierten Mentorinnen und Mentoren, die praktisches Wissen vermittelten. 

Dieser Wandel verlief nicht von heute auf morgen. Viele Unternehmen waren anfangs skeptisch, und die Schulen verfügten über wenig Erfahrung im Aufbau solcher Partnerschaften. Schritt für Schritt wuchs jedoch das Vertrauen. Die Zusammenarbeit entwickelte sich von einzelnen Kooperationen hin zu einer landesweiten Bewegung. 

Duale Berufsbildung: Lernen durch Arbeiten

Ein Meilenstein war die Einführung der dualen Berufsbildung im Jahr 2024. In diesem Modell teilen Lernende ihre Zeit zwischen Unterricht und bezahlter Ausbildung in Unternehmen. So sammeln sie bereits während der Ausbildung konkrete Berufserfahrung. 

Das duale Modell knüpft an jahrelange Zusammenarbeit an und baut auf den bereits sichtbaren Erfolgen arbeitsplatzbasierten Lernens auf. Die Praxis kam zuerst – die Politik folgte. Bereits im ersten Jahr fand das Modell grosses Interesse bei Lernenden und Betrieben und breitet sich nun landesweit über verschiedene Regionen und Sektoren aus. Für viele junge Menschen bietet es einen motivierenden und klar strukturierten Weg in den Arbeitsmarkt. 

An der Berufsbildungsschule „Hamdi Bushati“ in Shkodra geht das Lernen über den theoretischen Unterricht hinaus.

Stärkung der Berufsschulen von innen heraus

Um langfristige Wirkung sicherzustellen, mussten Berufsschulen organisatorisch gestärkt werden. Deshalb wurden Entwicklungsabteilungen (Development Units) eingerichtet, die Partnerschaften betreuen, Ausbildungsprogramme anpassen und auf die Veränderungen des Arbeitsmarkts reagieren. 

Diese Einheiten unterstützen Lehrpersonen in ihrer Weiterbildung, begleiten die Aktualisierung der Lehrpläne, bieten Berufsberatung an und begleiten die Absolventinnen und Absolventen in ihrer Berufslaufbahn. Dadurch entwickeln sich Schulen von passiven zu aktiven Akteuren lokaler Kompetenznetzwerke weiter. 

Resultate

Programme für arbeitsplatzbasiertes Lernen («work based learning»)

  • 19 618 junge Frauen und Männer haben zwischen 2016 und 2025 in zehn Partnerschulen abgeschlossen.
  • Davon nahmen 12 853 Lernende an arbeitsbasiertem Lernen in Unternehmen (Lehrlingsausbildung) teil.
  • 71% der Absolventinnen und Absolventen des Jahrgangs 2024 waren innerhalb von zwölf Monaten nach ihrem Abschluss in einem Angestelltenverhältnis oder selbstständig tätig.

Duale Berufsausbildung

2024 offiziell als nationales Reformmodell eingeführt.

  • Die duale Berufsausbildung wurde in acht Regionen eingeführt, was 48% der nationalen Berufsbildungsanbieter entspricht.
  • Über 150 Mentorinnen und Mentoren aus dem privaten Sektor wurden geschult.
  • Über 250 Unternehmen haben mitgewirkt.

Von erfolgreicher Praxis zur nationalen Reform

Je weiter das Projekt fortschritt, umso besser wurde die Zusammenarbeit mit nationalen Institutionen, um die erfolgreichen Ansätze in politische Strategien und Regulierungen zu überführen. Bewährte Praktiken aus der Umsetzung vor Ort fanden ihren Weg in die nationale Berufsbildungsreform. 

Diese Annäherung von Praxis und Politik stärkte die gemeinsame Verantwortung und schuf institutionelle Stabilität. Heute arbeiten Schulen, Unternehmen und staatliche Stellen koordiniert daran, Kompetenzlücken zu schliessen und eine zukunftsfähige Arbeitswelt zu gestalten. 

Ein System in Bewegung

Der Wandel ist noch nicht abgeschlossen, doch die Fortschritte sind deutlich sichtbar. Die Berufsbildung gewinnt an Glaubwürdigkeit, junge Menschen haben bessere Jobchancen und Arbeitgeber vertrauen zunehmend den Fähigkeiten der Absolventinnen und Absolventen. Durch die Verknüpfung von Bildung und realer Arbeit baut Albanien eine widerstandsfähigere, zukunftsorientierte Arbeitskraft auf. 

Skills for Jobs - from education to employment