Geschäftsorientiert und gemeinnützig – wie passt das zusammen? 

Schweiz
Omar Kassab, Head Private Sector Engagement30.09.2025
Swisscontact wurde 1959 von führenden Schweizer Unternehmen und der Zivilgesellschaft gegründet. Neben philanthropischen Beweggründen spielten für die Gründer auch wirtschaftliche Interessen eine Rolle: Sie wollten neue Absatzmärkte für ihre Unternehmen erschliessen. Deshalb steht Swisscontact seit jeher für einen unternehmerischen Ansatz in der Entwicklungszusammenarbeit. Das bedeutet einerseits, dass den Interessen der Unternehmenspartner Rechnung getragen wird. Und andererseits, dass die Projekte in den Zielländern auf den Einbezug lokaler Unternehmen setzen. Swisscontact ist überzeugt, dass Aus- und Weiterbildung sowie das Fördern von Unternehmertum einen nachhaltigen Weg der Armutsbekämpfung darstellen. Von Beschäftigung und gesteigertem Einkommen profitieren letztlich alle beteiligten Akteure.  

Egal wo Du landest und aus dem Flugzeug steigst, die Schweiz ist nicht weit: Schindler-Rolltreppen im Flughafenterminal, Omega-Uhren an der Wand, Geberit-Spülkästen auf der Toilette. Im Zug von Stadler Rail geht’s vorbei an Holcim-Betonmischern und Hilti-Geräten auf der Baustelle. Im Spital sorgt ABB für Strom, Mettler Toledo misst im Labor, Novartis und Roche Medikamente stehen im Regal. Abends flanierst Du an Lindt & Sprüngli und Audemars Piguet-Läden vorbei, Dein Snack wurde wohl mit einer Bühler-Maschine prozessiert. Und wenn dabei ein Zahn bricht, hilft Straumann mit der Zahnprothese. 

Wo Qualität, Präzision und Zuverlässigkeit benötigt werden, überall dort wird nach Schweizer Produkten gegriffen. Nicht selten sind es die „Hidden Champions“, welche die Schweizer Wirtschaft so exportstark machen. Im Jahr 2024 stiegen die Exporte laut dem Bundesamt für Zoll und Grenzschutz (BAZG) um 3,2% auf einen neuen Rekordwert von 282,9 Milliarden CHF. 

Industrienah und bedürfnisorientiert 

Doch die Qualität der Produkte und Dienstleistungen ist nur so gut wie die Arbeitskräfte, die sie einbauen, anbieten, bedienen und instandhalten. Für Unternehmen ist klar: Nur wenn diese Qualität Bestand hat, ist der Wettbewerbsvorteil garantiert. Vor dem Hintergrund dieser Herausforderung wurde Swisscontact im Jahre 1959 gegründet. Seit Tag 1 setzt Swisscontact Projekte um, die vom Schweizer System der dualen Berufsbildung inspiriert sind. Breit abgestützt und industrienah, bedürfnisorientiert. Das ist noch heute eines unserer Alleinstellungsmerkmale, in über 40 Ländern. 

Ein gestärktes System: Win-Win 

Für Unternehmen ergeben sich durch die Partnerschaft mit Swisscontact vielfältige Vorteile. So erhalten sie beispielsweise Zugang zu qualifizierten lokalen Arbeitskräften, profitieren von langfristiger Kundenbindung, erhöhter Markenbekanntheit, grösserem Marktanteil durch Fachkräfte, die Partnerprodukte aktiv fördern, sowie von branchenübergreifender Vernetzung.  

Doch nicht nur die Schweizer Unternehmen profitieren. Mittels unserer Projekte involvieren wir alle relevanten Stakeholder in den Zielländern, allen voran lokale Unternehmen (im Jahr 2024 haben wir mit 1101 privaten Umsetzungspartnern zusammengearbeitet), Branchenverbände, Regierungsstellen, staatliche Behörden oder Finanzinstitute. 

Alle diese Akteure an einen Tisch zu bringen, braucht lokales Wissen und viel Fingerspitzengefühl. Aber es lohnt sich. Denn wird das System gestärkt, profitieren alle: Die lokalen Unternehmen werden wettbewerbsfähiger, beispielsweise durch die qualifizierten Arbeitskräfte, über den verbesserten Zugang zu Märkten oder Technolgien. Sowie auch Einzelpersonen, durch relevante Fähigkeiten, die ihnen die Gründung von Unternehmen ermöglichen oder den Anschluss auf dem Arbeitsmarkt erleichtern. 

Die Wirkung von Swisscontact Projekten (2020 - 2024)

Berufsbildung 

  • In 123 Projekten haben 583 912 Personen eine Berufsausbildung abgeschlossen sowie Unterstützung bei der Arbeitsmarktintegration oder im Aufbau einer beruflichen Selbstständigkeit erhalten.
  • 172 989 Personen haben eine neue Stelle gefunden oder eine selbstständige Erwerbstätigkeit aufgenommen und konnten 125.9 Millionen CHF an zusätzlichem Einkommen generieren.

Unternehmensförderung 

  • 7.5 Millionen Bauern- und Kleinbetriebe erhielten Zugang zu besseren Dienstleistungen und Produkten, mit dem Ziel, ihre Produktivität und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.
  • Dadurch konnten 3.5 Millionen Bauern- und Kleinbetriebe 675.4 Millionen CHF mehr Einkommen erwirtschaften. 226 199 Stellen wurden geschaffen oder erhalten.

Erfahren Sie mehr zur Wirkung

Erfahren Sie mehr zur Wirkung

Der Privatsektor: Wichtiger denn je

Die Entscheidung der Trump II Administration im Frühjahr 2025 das USAID-Budget um 83% zu kürzen hat die Entwicklungszusammenarbeit und damit viele Länder hart getroffen. Dieser Schlag ist aber nur die Speerspitze eines globalen Trends, der sich auch bei öffentlichen Gebern in Europa abzeichnet. Im Jahr 2025 haben die UK um 40% gekürzt, Frankreich um 37%, die Niederlande um 35%, Belgien und Finnland jeweils um 25%. Diese Kürzungen treffen auch die Arbeit von Swisscontact – denn öffentliche Mandate machen aktuell den Hauptteil der Arbeit aus. 

Das macht die Zusammenarbeit mit international tätigen Unternehmen umso wichtiger. Swisscontact, historisch und über unseren Stiftungsrat tief verwurzelt in der Schweizer Industrie, ist in einer idealen Position, um die Interessen der Wirtschaft zu hören und anzugehen. Sei es durch eine massgeschneiderte Partnerschaft mit nur einem Unternehmen, mit mehreren Unternehmen gemeinsam, oder auch mit der öffentlichen Hand. Wir sprechen beide Sprachen und setzen stark auf Public Private Partnerships (PPP). Nur wenn diese beiden Welten zusammenspannen, kommen genügend Ressourcen zusammen um die 17 UN Ziele für eine nachhaltige Entwicklung noch zu erreichen.  

Warum Unternehmen mit Swisscontact zusammenarbeiten 

Unternehmen haben vielfältige Motivationen, um mit uns eine Partnerschaft einzugehen. Einige haben Interessen, welche die Lösung ihrer „Pain Points“ im Kerngeschäft angehen. Für andere sind es Fragen, die sie in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie umtreiben, oder aber philanthropische Motivationen. Andere wiederum können sich stark mit unserem Ansatz identifizieren und unterstützen unsere Organisation finanziell, mit Zeit, oder Material. 

Beispiele gefällig? Unser Team in der Ukraine arbeitet eng mit Schweizer und ukrainischen Unternehmen zusammen, denen es ein Anliegen ist, Arbeitskräfte für den Wiederaufbau zu qualifizieren. Unser Team in Bangladesh ist mit führenden Unternehmen im Textilsektor engagiert, um den Arbeiterinnen und Arbeitern Zugang zu Finanzinstrumenten zu ermöglichen. Ein Projekt in Ruanda bildet Jugendliche in ländlichen Gebieten in handwerklichen Berufen aus. Und wiederum ein anderes Projekt in Kolumbien fördert mentale Gesundheit bei traumatisierten Frauen, um sie und ihre Familienbetriebe in der Kaffee Lieferkette zu stärken. 

Lassen Sie uns reden!

Omar Kassab
+41 44 454 17 90
[email protected]