Vom Feld zum Flughafen: Uganda reduziert Bürokratie und Kosten

30.09.2025
Grosse Mengen an Obst und Gemüse, aber geringe Exportzahlen – Uganda schöpft sein landwirtschaftliches Potenzial noch nicht aus. Warum? Bürokratie, ineffiziente Prozesse und hohe Kosten bremsen Landwirte und Exporteure aus. Doch ein innovatives Projekt zeigt, wie gezielte Reformen den Handel erleichtern, Inspektionszeiten verkürzen und Verluste minimieren können. Uganda hat mit einfachen, aber wirkungsvollen Massnahmen den Weg vom Hof zum Flughafen revolutioniert.

Ugandas fruchtbarer Boden bringt jedes Jahr mehr als 5,7 Millionen Tonnen Obst und Gemüse hervor (FAO, 2019). Doch nur etwa 20 % davon (im Wert von 34 Millionen US-Dollar) werden exportiert – eine Zahl, die weit hinter Kenia und Tansania zurückbleibt (RUSH Exporter Baseline Study, 2022). Die Hindernisse sind für Landwirte und Exporteure allzu bekannt: endlose Formalitäten, fragmentierte Administrationssysteme, Verzögerungen an Flughäfen und kostspielige Ablehnungen in den Zielmärkten.

Ugandas Exporteure stehen vor kostspieligen Handelshemmnissen

Der globale Handel wird für Entwicklungsländer zunehmend komplexer. Politische Spannungen, strengere Standards, neue Regeln und Nachhaltigkeitsvorgaben erhöhen die Kosten und fragmentieren Märkte. Besonders in der ugandischen Landwirtschaft machten sich diese Herausforderungen bemerkbar – Reformen zur Handelserleichterung wurden dringend nötig.

Die Ineffizienzen waren gravierend: Exporteure benötigten im Durchschnitt 15,2 Stunden pro Sendung, was jährlich rund 910 Stunden oder 38 Arbeitstage entsprach. Über die Hälfte dieser Zeit entfiel auf das manuelle Sortieren und Prüfen. Die Kosten beliefen sich auf 88 US-Dollar pro Sendung bzw. 8.600 US-Dollar jährlich, wovon 90 % auf Personalkosten entfielen. Die Verluste durch Ausschuss und Rückweisungen beliefen sich auf 300 000 US-Dollar für die Exporteure und auf 72 000 US-Dollar für die Landwirte.

RUSH stärkt Ugandas Export – schnellere Kontrollen, weniger Ausschuss, mehr Vertrauen

Dies hat die Global Alliance for Trade Facilitation (GATF) dazu bewogen, das Projekt „Re-engineering Uganda’s Sanitary and Phytosanitary Inspection of Horticulture Exports (RUSH)” zu finanzieren. Es wurde von Swisscontact gemeinsam mit dem ugandischen Ministerium für Landwirtschaft, Tierhaltung und Fischerei (MAAIF), dem Ministerium für Handel, Industrie und Genossenschaften (MTIC) sowie ugandischen Privatunternehmen wie HortiFresh umgesetzt.

Mit dem Private Sector Contribution Tracker hat Swisscontact ein Tool eingeführt, das Sachleistungen von Unternehmen misst und die Rechenschaftspflicht stärkt. Mehr als 90 % der Exporteure haben die neuen Checklisten übernommen und 80 % von ihnen haben ihr Vertrauen in diese bekundet.

Früher mussten wir grosse Mengen an Schreibarbeit erledigen und diesen lange aufbewahren. Heute, mit elektronischen Prozessen für Exporteure und Inspektoren, ist das System schneller, transparenter und hat erst noch Kosten gesenkt.
Joyce Kaddu Kisingiri, leitende Agrarinspektorin bei MAAIF

Drei zentrale Innovationen prägten RUSH:

  • Ein Planungs-Tool zur besseren Koordination vor Inspektionen.
  • Überarbeitete Checklisten zur Schliessung kritischer Datenlücken.
  • Gezielte Schulungen für Agronomen und Qualitätskontrolleure.

Diese scheinbar kleinen Massnahmen zeigten rasch Wirkung: In Verpackungsbetrieben sanken die Inspektionszeiten von 2,5 auf unter 2 Stunden, am Flughafen Entebbe sogar auf 29 Minuten. Die Verschwendung ging deutlich zurück: Landwirte und Exporteure sparten so jährlich fast 370 000 US-Dollar. Während der Projektlaufzeit wurde lediglich eine Sendung am Flughafen abgefangen.

Wir können jetzt nachverfolgen, woher unsere Produkte kommen, und die Standards erfüllen. Das ist sehr hilfreich.
Kabahenda Betty, Geschäftsführerin von Farm Fresh Produce Uganda/Icemark

Dies beweisst: Effiziente Handelssysteme sind möglich. Die Frage ist nicht mehr, ob es funktioniert, sondern wie schnell diese ausgeweitet werden können. Der Plan liegt vor. Wir laden Stiftungen, Unternehmen und Institutionen ein, dabei zu helfen, diese Reformen in den Landwirtschaftskorridoren Afrikas auszuweiten – damit mehr Bauern, Exporteure und Verbraucher von einem schnelleren Handel, niedrigeren Kosten und grösserem Wohlstand profitieren können.

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Quellen

  • Statistisches Jahrbuch der FAO (2019): Obst- und Gemüseproduktion in Uganda (5,7 Millionen Tonnen jährlich).
  • Uganda Bureau of Statistics (2022): Beitrag der Landwirtschaft zum BIP (23,8 %) und Anteil an der erwerbstätigen Bevölkerung (60 %).
  • Economics (2022): Anteil der Landwirtschaft an den Exporten Ugandas (80 %).
  • Asoko Insight (2019): Blumenzucht als drittgrößter nicht-traditioneller Export Ugandas.
  • RUSH-Exporteurumfrage & Basisstudie (2022, Swisscontact & Global Alliance for Trade Facilitation)