Jedes Jahr treten zahlreiche junge Menschen in Kenia in den Arbeitsmarkt ein, ohne über die praktischen Fähigkeiten, die Berufserfahrung oder die Branchenkontakte zu verfügen, die für eine angemessene Beschäftigung erforderlich sind. Gleichzeitig fällt es Unternehmen in schnell wachsenden technischen Sektoren schwer, qualifizierte Fachkräfte zu finden, die unmittelbar einsatzbereit sind. Diese Lücke stellt nicht nur für junge Menschen eine Herausforderung dar. Sie hemmt auch das Wachstum von Unternehmen und verringert die Fähigkeit von Ausbildungssystemen, auf die tatsächliche Nachfrage des Arbeitsmarktes zu reagieren.
PropelA Kenya ist das Leuchtturmprojekt von Swisscontact für die Einbindung des Privatsektors in die Berufsbildung. Es zeigt, wie Unternehmen von gelegentlichen Unterstützern von Ausbildungsinitiativen zu Mitgestaltern, Mitinvestoren und langfristigen Nutzern eines bedarfsorientierten Systems der Fachkräfteentwicklung werden können.
In Phase II (2026–2029) wird dieses Modell weiter vertieft und ausgebaut. Die Auszubildenden verbringen den Grossteil ihrer Ausbildung im Betrieb und den restlichen Teil in Schule und Werkstätten, sodass das Lernen eng an den tatsächlichen Bedürfnissen der Unternehmen ausgerichtet ist. Unternehmen definieren Kompetenzanforderungen mit, stellen Ausbildungsplätze bereit, schulen betriebliche Ausbildende und nutzen das Programm zunehmend als Rekrutierungskanal. Berufsbildungsinstitutionen stärken Umsetzung, Qualitätssicherung und finanzielle Nachhaltigkeit. Branchenverbände und öffentliche Institutionen übernehmen eine wachsende Rolle bei Koordination, Curriculumsabstimmung und systemischer Verankerung.
Das Projekt konzentriert sich auf prioritäre technische Berufe mit hoher Arbeitsmarktnachfrage, darunter Sanitär, Elektro, Schweissen, Aufzüge und Rolltreppen, Instandhaltung sowie ausgewählte Berufe im Gastgewerbe, die derzeit auf Niveau 5 zertifiziert sind. In der neuen Phase werden zudem erste Ausbildungswege auf Niveau 6 geschaffen.
Die Umsetzung erfolgt gemeinsam mit Privatunternehmen, dem Don Bosco Boys Technical Training Institute, der Kenya Association of Manufacturers, der National Industrial Training Authority (NITA) sowie weiteren relevanten öffentlichen Institutionen. Hauptzielgruppen sind junge Kenianerinnen und Kenianer – insbesondere jene, die bessere Zugänge zu existenzsichernder Beschäftigung benötigen – sowie Unternehmen, die einen verlässlichen Zugang zu qualifizierten Fachkräften suchen.
Was PropelA auszeichnet, ist seine klare privatwirtschaftliche Logik. Das Projekt versteht Unternehmen nicht als Geldgeber oder beratende Partner am Rand. Stattdessen stellt es sie in den Mittelpunkt des Ausbildungsmodells – denn sie kennen die benötigten Kompetenzen, stellen den Lernort im Betrieb bereit und schaffen letztlich die Arbeitsplätze.
Damit ist PropelA mehr als ein Ausbildungsprojekt. Es ist eine Plattform für Partnerschaften, die betriebliche Anforderungen mit der Beschäftigungsfähigkeit junger Menschen und systemischem Wandel in Einklang bringt. Für Finanzierungspartner bietet PropelA einen praxisnahen Ansatz, um messbare Wirkung zu erzielen und gleichzeitig zum Aufbau eines stärkeren, inklusiveren und nachhaltigeren Berufsbildungssystems in Kenia beizutragen. Zugleich dient das Projekt als wichtiger Referenzpunkt für regionales Lernen und für die Ausweitung des Modells auf andere Länder, darunter Tansania.
In Phase I hat PropelA
Die Ergebnisse zeigen, dass das Modell funktioniert: Es hat Beschäftigung und Einkommen verbessert, die Abbruchquoten deutlich reduziert und belegt, dass arbeitgebergeführte Ausbildung in Kenia im grösseren Massstab mit starker Beteiligung des Privatsektors umgesetzt werden kann.
Das Projekt ist finanziert von der Hilti Foundation und Geberit International AG. Es ist Teil von Swisscontacts Entwicklungsprogramm, welches von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA kofinanziert wird.