Der Bausektor in Tansania macht mehr als ein Zehntel des Bruttoinlandsprodukts aus und wächst weiter. Dennoch sind viele Unternehmen bei Schlüsselpositionen auf ausländische Fachkräfte angewiesen, da es an lokal qualifiziertem Personal fehlt. Gleichzeitig verfügt das Land über eine sehr junge Bevölkerung, die arbeiten möchte, jedoch oft unzureichend qualifiziert ist, während viele Arbeitsverhältnisse informell bleiben. Absolventinnen und Absolventen von Berufsbildungszentren fehlt es häufig an praktischen Fähigkeiten und Einblicken in die Branche, was ihren Zugang zu menschenwürdiger Beschäftigung erschwert.
Gleichzeitig hat der Privatsektor grosses Interesse an strukturierten dualen Ausbildungsmodellen bekundet, die auf den Ergebnissen von PropelA Kenia (2022–2025) aufbauen, wo sich 430 Lernende eingeschrieben haben, 146 mit einer landesweit anerkannten NITA-Zertifizierung abschlossen und 69 Unternehmen teilnahmen.
PropelA Tansania verfolgt einen privatwirtschaftlichen Ansatz, um die Herausforderungen rund um menschenwürdige Beschäftigungsmöglichkeiten für junge Menschen sowie den Fachkräftemangel im Bausektor anzugehen.
Unser Ansatz ist einfach: Wenn Unternehmen die Berufsbildung mitgestalten und mitverantworten, wird sie relevant, wirksam und direkt mit konkreten Beschäftigungsmöglichkeiten verknüpft. Das Projekt arbeitet mit führenden Bauunternehmen, Berufsbildungszentren und staatlichen Stellen zusammen, um ein duales Ausbildungsmodell in den Bereichen Sanitär- und Elektrohandwerk gemeinsam zu entwickeln.
Ziel ist es nicht nur, junge Menschen auszubilden, sondern das nationale Berufsbildungssystem (TVET) so weiterzuentwickeln, dass das geförderte duale Ausbildungsmodell zu einem standardisierten und akkreditierten Ausbildungsweg in Tansania wird. Dies soll erreicht werden durch (1) die gemeinsame Entwicklung des Modells mit Wirtschaft, Wissenschaft und Berufsbildungsanbietern, (2) den Nachweis seiner Wirksamkeit sowohl für Lernende als auch für Unternehmen und (3) die Verankerung durch nationale Akkreditierung und öffentliche Ko‑Finanzierung. Die direkten Begünstigten sind arbeitslose junge Menschen in Tansania; langfristig profitieren jedoch auch Unternehmen, Gemeinschaften und die gesamte Wirtschaft, insbesondere durch einen verlässlicheren Pool an arbeitsmarktorientiert ausgebildeten Fachkräften.
Aufbauend auf Schweizer Expertise und einem in Kenia erprobten, an die Gegebenheiten in Tansania angepassten dualen Ausbildungsmodell bringt das Projekt praxisnahe und skalierbare Innovationen ein, die die Kompetenzentwicklung im Land nachhaltig verändern können, darunter ein strukturierter Ausbildungsweg, der Lernen im Betrieb mit Ausbildung an einem Berufsbildungszentrum kombiniert (wie in Kenia: 75 % betriebliche Ausbildung, 25 % institutionelle Ausbildung). Ziel ist, dass bis zum Ende der ersten Projektphase im Jahr 2029 führende Bauunternehmen das duale Ausbildungsprogramm als zentralen Ansatz zur Rekrutierung und Ausbildung junger Arbeitskräfte etabliert haben. Sowohl Unternehmen als auch Berufsbildungsanbieter verfügen dann über die notwendigen Kompetenzen und Kapazitäten zur Ausbildung von Lernenden.
Das Projekt ist finanziert von der Hilti Foundation. Es ist Teil von Swisscontact’s Entwicklungsprogramm, welches von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA kofinanziert wird.