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Der Klimawandel wird häufig als globale Herausforderung betrachtet, für die globale Lösungen erforderlich sind. Das stimmt – allerdings kann dieses Verständnis dazu führen, dass die Dimension des Problems als abstrakt oder weit entfernt wahrgenommen wird. Die Erfahrung von Swisscontact zeigt jedoch: Wirksamer Klimaschutz beginnt im Alltag und in konkreten Entscheidungen. Diese Veränderungen sind dann nachhaltig, wenn die zugrunde liegenden Systeme ein verantwortungsvolles Handeln ermöglichen und unterstützen.
Täglich treffen Menschen Entscheidungen mit Auswirkungen auf das Klima. Bauern bestimmen den Umgang mit Boden und Wasser, Unternehmerinnen entscheiden über Produktion und Investitionen, Dienstleister prägen Geschäftspraktiken, und Institutionen setzen die Rahmenbedingungen. Diese Entscheidungen beeinflussen in ihrer Gesamtheit Emissionen, Resilienz und Lebensgrundlagen erheblich. Nachhaltiges Verhalten entsteht jedoch nicht von selbst. Es braucht geeignete Anreize, die richtigen Kompetenzen sowie Strukturen und Rahmenbedingungen, die verantwortungsvolles Handeln unterstützen.
Deshalb verbindet Swisscontact Verhaltensänderungen mit Lösungen, die dauerhaft im System verankert sind. Sensibilisierung oder Schulungen allein reichen nicht aus. Entscheidend ist, ob Systeme neues Wissen in reale wirtschaftliche Chancen übersetzen.
In der Bekleidungsindustrie Bangladeschs beispielsweise führten Umweltstandards zum Erfolg. Dies lag nicht nur am wachsendem Bewusstsein für Klimarisiken, sondern auch daran, dass Käuferanforderungen, lokale Beratungsangebote, Kompetenzen und institutionelle Strukturen aufeinander abgestimmt wurden. Nachhaltigkeit wurde Teil des Geschäftsmodells – und nicht zur Zusatzbelastung für Unternehmen.
In der Berufsbildung gilt die gleiche Logik für «grüne Kompetenzen und Arbeitsplätze». Arbeitsplätze werden „grüner“, wenn sich Geschäftsmodelle, Technologien und Anreize ändern. Neue Fähigkeiten sind jedoch nur dann wirksam, wenn sie der tatsächlichen Nachfrage entsprechen. Das Skills Development Programme (SDP) in Kambodscha zeigt dies deutlich: Durch die enge Zusammenarbeit von Berufsbildungseinrichtungen und Arbeitgebern wurde die Elektrikerausbildung um Solar-Photovoltaik (PV) ergänzt. Auf diese Weise entstanden keine isolierten „grünen Jobs“, sondern marktrelevante Kompetenzen, die den Menschen bessere Einkommensmöglichkeiten eröffneten.
Im Kosovo führte wirtschaftlicher Druck zu Verhaltensänderungen und Klimaanpassungen. Das Projekt zur Förderung der Beschäftigung im privaten Sektor (PPSE) unterstützte diesen Prozess und half Tourismusunternehmen, auf den Rückgang der Schneefälle zu reagieren. So wurden sie dabei unterstützt, sich von Angeboten, die sich auf Skitourismus konzentrieren, auf ganzjährigen Bergtourismus umzustellen. Durch die Anpassung von Geschäftsmodellen, die Einführung erneuerbarer Energien und Nachhaltigkeitszertifizierungen schuf das Projekt Anreize und stellte technische Unterstützung sowie politische Rahmenbedingungen bereit, die neue Verhaltensweisen begünstigten.
Im bolivianischen Recyclingsektor wurden bei Abfallsammlern, Recyclingunternehmen, Finanzinstituten und Handelskammern ähnliche Verhaltensänderungen durch gezielte wirtschaftliche Anreize vorangetrieben. Durch den besseren Zugang zu Finanzierungen, Marktanbindungen und institutioneller Unterstützung konnten zuvor informell tätige Arbeitskräfte – darunter viele Frauen – ihre Unternehmen formalisieren, ihr Einkommen steigern und gleichzeitig zur Reduzierung von Emissionen und zum Umweltschutz beitragen.
Swisscontact unterstützt in verschiedenen Sektoren – von der Landwirtschaft über den Tourismus bis hin zur Abfallwirtschaft und Berufsbildung – den Aufbau von Systemen, die nachhaltige Entscheidungen praktikabel und wirtschaftlich attraktiv machen. Das klingt einfach, ist in der Umsetzung jedoch eine grosse Herausforderung: Wir müssen heute handeln, obwohl sich viele Vorteile erst langfristig zeigen. Umso wichtiger ist es deshalb für Swisscontact, gemeinsam mit Menschen, Unternehmen und Institutionen Bedingungen zu schaffen, die alltägliche Entscheidungen zu Motoren für einen wirksamen Klimaschutz machen.
Lead Climate & Environment