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Kenia: Schneiderinnen im Flüchtlingslager nähen Gesichtsmasken

Noch ist im und um das Flüchtlingslager Kakuma in Kenia zum Glück noch kein Fall von Ansteckung mit COVID-19 zu vermelden. Das tägliche Leben im Lager ist aber dennoch sehr eingeschränkt. Auch das Berufsbildungsprojekt, das Swisscontact im Auftrag der DEZA in Kakuma umsetzt, bekommt die Konsequenzen des Lockdowns zu spüren. Ehemalige Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Trainings sind erfinderisch und passen ihre Angebote an. Sie nähen Gesichtsmasken und stellen Desinfektionsmittel her. Alexander Kiptanui, Leiter des Projekts «Skills 4 Life», erzählt, wie die Projektarbeit trotz fehlender Bewegungsfreiheit und schwacher technischer Infrastrukturen vor Ort weitergehen kann.

Sie nähen jetzt Gesichtsmasken anstatt Kleider. Die Gruppe von Schneiderinnen, die ihre Fähigkeiten durch das Projekt «Skills 4 Life» im Flüchtlingslager Kakuma erlangt haben, passt sich der veränderten Nachfrage an. Gleichzeitig sichert sie ihren Lebensunterhalt. Das Projektteam hat die Gruppe mit anderen Organisationen und den Behörden vor Ort vernetzt, um die Produktion zu koordinieren. Eine andere Arbeitsgruppe hat in den Trainings gelernt, Reinigungsmittel herzustellen. Die drei Frauen der Gruppe produzieren auch Seife und Desinfektionsmittel. Derzeit haben sie alle Hände voll zu tun. Sie stellten 60 Liter Seife her und verkauften an einem Tag Seife im Wert von 5940‬ Kenia-Schilling (54 CHF). Verhandlungen mit der Regierung über die Verteilung der Produkte an die lokale Bevölkerung sind im Gang.

Interview mit Alexander Kiptanui, Projektleiter von «Skills 4 Life»

Wie beeinflusst COVID-19 das Leben im Flüchtlingslager Kakuma? Und was sind die Auswirkungen auf das Projekt «Skills 4 Life»?

Alexander Kiptanui: Das Leben im Flüchtlingslager Kakuma und in der darin integrierten Siedlung Kalobeyei hat sich seit dem ersten COVID-19-Fall in Kenia am 12. März 2020 erheblich verändert. Das Hochkommissariat für Flüchtlinge UNHCR und alle Partner, die im Lager und in den umliegenden Gemeinden arbeiten, setzten Reisen in die Region aus, es sei denn, sie wurden als unabdingbar oder als Reaktion auf Notfälle eingestuft. Bisher wurde im Bezirk Turkana, wo Kakuma und Kalobeyei liegen, noch kein Fall gemeldet. Die meisten der geplanten Aktivitäten von «Skills 4 Life» (S4L) müssen wir für den Moment dennoch aussetzen. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten von zu Hause aus. So machen es auch die UNO-Organisationen und andere Partner. Die meisten Geschäfte in der Stadt bleiben geschlossen, und der Zugang zum Flüchtlingslager wurde eingeschränkt. 

 

Kann das Projektteam trotzdem weiterarbeiten?

 

Alle Mitglieder des Projektteams arbeiten derzeit virtuell von zu Hause aus. Wir sind über Telefon und E-Mail miteinander in Kontakt. Über die Planung und Anpassung der Projektaktivitäten tauschen wir uns über Skype aus. Es gibt auch eine WhatsApp-Gruppe für alle Swisscontact-Mitarbeitenden in Kenia für regelmässige Updates zur Pandemie. Zurzeit arbeiten wir an unserer Wirkungsmessung. Durch den Einsatz der KoBo-Toolbox können wir die Datengrunderhebung verbessern. Diese Arbeit können wir gut aus dem Homeoffice verrichten. Darüber hinaus regen wir die Mitarbeitenden dazu an, an virtuellen Schulungen und projektbezogenen Webinaren teilzunehmen, um ihre Kompetenzen auszubauen.

 

Gibt es die Möglichkeit, mit den Projektbegünstigten in Kontakt zu bleiben? 

 

Unser Team pflegt den telefonischen Austausch mit den Lerngruppenleitenden. Für sie ist es wichtig, zu wissen, dass die Schulungen nach Abklingen der Pandemie weitergeführt werden. Auch unsere Trainer vor Ort sind mit den Lerngruppenleitenden und den Begünstigten im Austausch. Sie schauen, wie es ihnen geht, und besprechen praktische Fragen zur Durchführbarkeit der Schulungen, sobald diese wiederaufgenommen werden können. Zum Beispiel wird es in einer Lerngruppe viele Mütter haben. Darum wird nun eine Kinderkrippe geplant, damit die Mütter sich ganz auf den Unterricht konzentrieren können. Ebenfalls telefonisch in Kontakt sind wir mit den Personen, die bereits eine Ausbildung absolvierten und anschliessend ein eigenes Geschäft aufbauten. Wir wollen herausfinden, mit welchen Herausforderungen sie derzeit konfrontiert sind und wie wir sie bestmöglich dabei unterstützen können, Lösungen zu finden. Dieses Mentoring ist für die jungen Unternehmerinnen und Unternehmer sehr wichtig, damit sie sich in dieser schwierigen Zeit nicht alleingelassen fühlen. Auch hier spielen die Trainer eine wichtige Rolle, da sie vor Ort präsent sind.

 

Wie läuft die Zusammenarbeit mit den Projektpartnern ab? 

 

Der Austausch zwischen dem «Skills 4 Life»-Projekt und seinen Partnern geschieht vorerst virtuell. Das wird grösstenteils auch so bleiben, wenn sich die Situation entspannt hat. Das Projekt ist gerade in eine neue Phase eingetreten. Es wird einen Aufruf für neue Partnerschaften geben für lokale Organisationen. Dieser Prozess wird in den virtuellen Raum verlegt. Jedoch ist zu bedenken, dass die Internetverbindung im Lager Kakuma und in der integrierten Siedlung Kalobeyei sehr schlecht ist. Deshalb werden wir sicher auch Telefongespräche führen, um sicherzustellen, dass alle relevanten Partner über das weitere Vorgehen informiert sind. 

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