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Beratung aus der Ferne

Seit März 2020 sind internationale Reisen nahezu unmöglich. Für das Swisscontact-Programm «Senior Expert Contact» ein Problem, besteht seine Haupttätigkeit doch in der Organisation von kurzzeitigen Beratungseinsätzen meist pensionierter Schweizer Fachleute bei KMUs in Entwicklungsländern. Die Pandemie verlieh dem Senior Expert Contact indessen einen veritablen Digitalisierungsschub: Die Expertinnen und Experten beraten nun online anstatt vor Ort.

Das Senior Expert Contact (SEC – ehemals Senior Expert Corps) ist das älteste Projekt von Swisscontact. Seit 1979 vernetzt es KMUs in den Swisscontact-Partnerländern mit pensionierten Schweizer Expertinnen und Experten. Während mehrerer Wochen vor Ort können sie Impulse setzen und so die KMUs bei ihrer Weiterentwicklung unterstützen. Mit den Reisebeschränkungen, bedingt durch die Pandemie, waren diese Einsätze plötzlich nicht mehr möglich. 

 

Austausch über digitale Kanäle

Um einen Stillstand des Projekts zu verhindern, erarbeitete das Projektteam innert weniger Wochen die Grundlagen, damit die Beratungseinsätze anstatt vor Ort über digitale Kanäle abgewickelt werden können. Jeder dieser Ferneinsätze folgt einem klaren Prozess und einem vordefinierten Zeitrahmen zwischen 6 und 12 Wochen. Das Ziel ist, dass sich Expertin oder Experte und Kunde vor Ort mindestens zwei Stunden pro Woche austauschen. Die Arbeit der Schweizer Fachleute ist auch bei den Ferneinsätzen freiwillig und wird nicht entschädigt.

 

Hoch hinaus in Bolivien

Ein Architekturbüro in Bolivien plant ein begrüntes Hochhaus in La Paz und suchte dafür die Unterstützung eines Landschaftsarchitekten. Dieser Beratungseinsatz wäre ursprünglich vor Ort geplant gewesen, nun findet er virtuell statt. «Ein grünes Hochhausprojekt in La Paz zu unterstützen, wo Wohnungen für sozial Benachteiligte und auch für die Mittelschicht entstehen – das ist ein Muss! Wenn dann in diesem Hochhaus (anfangs vernachlässigte) Projekte wie Grauwasserrecycling, Kondenswassersammlung, Urban Farming und Fassadenbegrünung vorangetrieben werden können, dann lohnt sich der Ferneinsatz auf jeden Fall», sagt Michael Jakob, Architekt und SEC-Experte. Und auch für das Team in Bolivien ist der Ferneinsatz eine positive Erfahrung und sehr hilfreich bei der Entwicklung ihres Hochhausprojekts: «Michael hilft uns sehr. Dank seinen klugen Ratschlägen entwickeln und verbessern wir das Projekt. Obwohl die Unterstützung virtuell ist, haben wir angenehme Treffen und gute Ergebnisse», so der Architekt Alessandro Baldo, Projektverantwortlicher Cassur, Bolivien.

 

Video-Tutorials für Schneiderinnen in Uganda

Die Beratung in handwerklichen Fragen ist über digitale Kanäle nur bedingt möglich. Aber auch da zeigen sich Chancen: Eine Fachschule für textiles Design in Uganda bat um Unterstützung bei der Umsetzung moderner Schnitte. Eine Expertin aus der Textilbranche produziert nun Videos, in denen sie die einzelnen Schritte vorzeigt. Die Ausbildner vor Ort schneidern das Kleidungsstück anhand des Tutorials nach und besprechen die Umsetzung danach mit der Expertin.

 

Ein Konzept für die Zukunft

Insgesamt stellt das SEC-Team fest, dass sich die Bedürfnisse nach Beratung in den letzten Jahren gewandelt haben: Immer gefragter ist die Unterstützung in Unternehmensplanung, Management, Marketing, Personalwesen oder Finanzen – Bereiche, die sich gut über Ferneinsätze abdecken lassen.


Seit Juni 2020 konnten bereits 23 Ferneinsätze gestartet werden, und die Liste der Anfragen von KMUs ist lang. Das SEC plant, das Modell der Ferneinsätze zusätzlich zur Beratung vor Ort weiterzuführen, auch wenn Reisen wieder möglich sind. So ist das Senior Expert Contact durch die Krise zu einem neuen Angebot gekommen.


Das SEC-Programm wird von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) und durch Spenden unterstützt.

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