Situation– In Bolivien leben zwei Drittel der Bevölkerung in Armut, 40 Prozent gar in extremer Armut. Knapp sind auch die Mittel des Staats, der mit schmalem Budget darum kämpft, seinen Verpflichtungen gegenüber den Einwohnern nachzukommen. So funktioniert zum Beispiel die Abfallentsorgung nur rudimentär: Während in den grösseren Städten meist eine Müllabfuhr besteht, haben rund 90% der Haushalte in ländlichen Gebieten keinen Zugang zu einer organisierten Abfallentsorgung. Die Folge ist: 40% verbrennen ihren Abfall vor der Haustüre, 29% werfen ihn einfach irgendwo in die Landschaft, 16% entsorgen ihn in Flüssen und verschmutzen damit die Gewässer und 7% vergraben ihn im eigenen Garten. Dies erhöht die Umweltverschmutzung in diesen meist landwirtschaftlichen Regionen und schafft zudem immer grössere Hygieneprobleme.
Projekt – Seit Anfang 2011 berät Swisscontact 20 ländliche Gemeinden, um ein umfassendes und nachhaltiges Abfallmanagementsystem aufzubauen. Die Gemeinden zählen jeweils zwischen 5‘000 und 50‘000 Einwohner. Das Projekt bezweckt, ein innovatives Modell für Abfallmanagement in ländlichen Gemeinden mit öffentlich-privaten Allianzen zu schaffen. Damit werden die Mengen an ungeregelt abgelagerten Abfällen drastisch reduziert und gleichzeitig die fachmännische Behandlung sowie die wirtschaftliche Nutzung von wiederverwertbaren Materialien gefördert. Dabei werden die kulturellen, wirtschaftlichen und organisatorischen Aspekte jeder Gemeinde für die Planung und Implementierung des Abfallmanagementsystems berücksichtigt.
Die Ziele des Projektes sind, Arbeitsplätze für arme Bevölkerungsschichten in den Bereichen Müllabfuhr, Abfallbehandlung und Recycling in den ländlichen Regionen Boliviens zu schaffen und gleichzeitig die Umweltverschmutzung zu reduzieren sowie die hygienischen Bedingungen in den Haushalten zu verbessern.
Davon profitieren 20 Gemeinden mit einer geschätzten Bevölkerung von 300‘000 Bewohnern, die dank den eingeführten Abfallmanagementsystemen in einer gesünderen Umwelt leben können. Auch werden 20 neu gegründete Kleinunternehmen für die Einführung von Dienstleistungen wie Müllabfuhr und Strassenreinigung, die insgesamt rund 300 neue Arbeitsplätze schaffen, Nutzen ziehen.


